Verfasst von: almenbaer | 12. Juli 2009

Bing räumt auf

Eine aufgeräumte Suchmaschine. Macht das Sinn? Schwärmte mir doch kürzlich ein Kollege vor: “Hier, nur 1.200 Suchergebnisse. Reicht doch!”.

Reicht eben nicht. Ab nur drei Suchbegriffen versagt “Bing” in meinen Augen kläglich. Beispiel: Mein eigener Blog. Klar, ich bin sauer, dass er in Bings Index nicht erscheint, Gründe hierfür sind bekannt: Bings Hilfsfunktion entschuldigt, dass bei täglicher Bearbeitung von Billionen Seiten des World-Wide-Web einige Seiten ab und zu nicht im Index erscheinen, dann wieder auftauchen, dann wieder verschwinden. (Hä?).

Aber abgesehen davon: Betrachten wir nun das Beispiel eines Artikels meines Blogs. Da fragte ich mich kürzlich, ob Spinnen die Flugbahn von Insekten berechnen. Die Frage mag blöde erscheinen, ich persönlich meinte sie auch eher scherzhaft. Nun angenommen, irgendjemand auf dieser Welt möchte tatsächlich wissen, ob Spinnennetze und Flugbahn von Insekten einen Zusammenhang aufweisen. “Googelt” er mit den drei Suchbegriffen “Spinnen Netze Flugbahn”, findet er über eintausend Ergebnisse, unter denen er sich einige aussuchen kann, die seine Frage beantworten. “Bingt” er dagegen mit diesen drei Suchbegriffen, findet er klägliche sechzehn Ergebnisse, unter denen sich kein einziges befindet, das seine Frage auch nur ansatzweise beantworten könnte.

Macht es Sinn, eine Suchmaschine aufzuräumen? Fakt ist: Je mehr eine Suchmaschine ausspuckt, um so mehr freie Wahl dessen, was ich lesen möchte, habe ich. Je bedachter die Suchbegriffe, und vor allem ihre Kombination, gewählt werden, um so geringer ist die Anzahl der Ergebnisse und um so genauer sind sie auf meine spezifische Suche zugeschnitten.

Derzeit ist es “in”, über Google zu jammern: “Die vielen Suchergebnisse! Da hat man ja keinen Überblick mehr! Es muss mal eine neue Suchmaschine her!”, und so weiter. Ich kann mich diesem Trend nicht anschließen. Wer meckert, dass eine Suchmaschine “zu viele Ergebnisse” ausspuckt, a) hat die verfeinerte und zielgenaue Internetrecherche nie gelernt, b) hat nicht verstanden, dass das “Aufräumen” von Suchmaschinen schlimmstenfalls den Beginn einer Zensur darstellt und c) ähnelt dem Kommentator und Komponisten Antonio Salieri, welcher im einstigen Kino-Hit “Amadeus” beklagt, dass Mozarts Werke “zu viele Noten” beinhalten.

Verfasst von: almenbaer | 3. Juli 2009

Von Jahr zu Jahr bewundernswert

Jedes Jahr stehe ich vor meinem offenen Fenster und bestaune die emsigen kleinen Spinnen, die ihre Netze in einer bestimmten Ecke basteln, als hätten sie die Flugbahn der Mücken berechnet.

Woher wissen sie das? Kann man bei Spinnentieren von “Instinkten” sprechen? Sind es “liebevoll von Spinnen-Mutti beigebrachte Fähigkeiten”? ;-) Oder beobachten sie die Insekten, hirnen und rechnen, setzen Maß und Winkel, um dann ihr Werk zu beginnen, das sie in faszinierend wenigen Stunden vollenden? Es sind ja keine alten Hasen, die von Jahr zu Jahr wiederkehren, es sind junge Spinnen, die im Verlauf des Sommers noch wachsen.

Oder der Deckenfluter in meiner Wohnung. Leicht gedimmt lockt er Insekten an, die bei geöffnetem Fenster das Licht suchen. Jedes Jahr entsteht in dessen Lichtkegel oben an der Decke ein Spinnennetz.

Natürlich wäre das Phänomen beispielsweise so zu erklären: “The Fittest” aus dem Drama “Survival of the Fittest” bauten vor etlichen Jahrmillionen ihre Netze rein zufällig in bestimmte Lichtverhältnisse hinein, so dass ihnen das Fressen direkt ins Netz flog, dass sie feiern und speisen konnten, immer gesünder und kräftiger wurden, somit andere Zeitgenossen verdrängten, die ihre Netze (schön blöd) in dunkler Umgebung montierten, somit vergeblich warteten und kläglich verhungerten.

Trotzdem faszinierend. Und vor allem praktisch, denn seit Jahren benötige ich keinerlei Insektenspray, ganz selten mal eine Fliegenklatsche und das war’s dann. Meine Wohnung ist, obwohl ich in schwül-warmer Gegend lebe, so gut wie mückenfrei.

Verfasst von: almenbaer | 13. Juni 2009

Ich wär’ so gern wie sie,…

…die Huberbuam. Gestern gesehen: Eine Dokumentation über ihren Versuch, den Rekord im Speed-Climbing an der “Nose”, einer Wand im Yosemite-Nationalpark, zu brechen. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich Speed-Climber in Aktion sah, zumindest über einen länger andauernden Film hinweg.

Mir fehlen Worte der Bewunderung zweier Sportler, die wie Spinnen in rasender Geschwindigkeit eine Steilwand hochzischen. “Klettern” wäre zu harmlos ausgedrückt. Es ist etwas anderes. Etwas wie “phänomenal”, Spiderman, übermenschlich. Es ist phantastisch.

Quelle: http://www.huberbuam.de

Quelle: http://www.huberbuam.de

Gerne wäre ich sportlich wie sie. Ein Ziel, über dessen notwendige Voraussetzungen ich nie auch nur im geringsten Ansatz verfügte und das ich nie erreichen werde. Und trotzdem: Ich verstehe sie irgendwie ein kleines bisschen. Wer über das verfügt, was sie besitzen, muss klettern und kann sich dem nicht entziehen.

Verfasst von: almenbaer | 3. Juni 2009

Schluss mit Kalt

Nie wieder kalt baden. Meine Experimentierfreude ist vorbei. Das soll gesund sein? Nachdem ich Sonntag und Montag in Nordsee-Temperaturen badete, hinterher bei kaltem Wind am Ufer schlotterte, überkam mich eine unbeschreibliche Ganzkörper-Trägheit. Jeder Muskel schmerzte, der Kopf ebenso. Natürlich ist es erträglich, befindet man sich erst im Wasser. Der Körper gewöhnt sich, man spielt mit der Brandung. Stolz wie ein Wikinger begibt man sich zurück an den Strand. Man hatte den inneren Schweinehund überwunden, der Kälte getrotzt, den Kreislauf trainiert. Nie wieder Schnupfen!

Von wegen. Nein, man bekam keinen Schnupfen. Zumindest nicht in der Nase. Aber der “Muskel-Schnupfen”. Man wusste bis dahin nicht einmal, dass er existiert, einen im wahrsten Sinne des Wortes eiskalt erwischen kann – und zwar erst am Morgen danach. Bleischwere, Gelenksteife, Muskelschmerz und Erschöpfung. Es war mir eine Lehre: Ich bin keine Ente, kein Eisbär, kein Fischotter, kein anderweitiges Tier, das sich gerne in kalte Gewässer begibt. Ich bin ein Mensch und werde es nie wieder freiwillig ertragen, so sehr Japaner, Russen, Chinesen, Finnen, Schweden und Norweger das auch befürworten und ritualisieren.

Verfasst von: almenbaer | 27. Mai 2009

Ente gut – alles gut

Ich war am Strand. Wollte gerade Baden gehen, als sich eine gigantische schwarze Wand am Himmel aufbaute. Keine paar Minuten hatten wir Zeit, unsere Sachen zu packen. Der See wurde hellgrün und leuchtete wie in einem Märchen, im Kontrast dazu dieser tiefschwarze Himmel,… – eigentlich ein schönes Bild, wäre da nicht die Eile beim Packen. Erstaunlich: Zwei mutige (lebensmüde?) junge Frauen begaben sich “eben noch schnell” ins Wasser. Wollten sie unbedingt vom Blitz erschlagen werden? Als wir ihnen zuriefen: “Raus da, raus da!!!” kamen sie zu uns. Na Gott sei Dank…Es wurde immer dunkler, der Himmel immer schwärzer, die Wand immer größer.

Quelle: Leserreporter Südkurier

Quelle: Leserreporter Südkurier

In diesem Moment hacken vier Gang-Enten – eine Art “Jugendgäng” ;-) – im Wasser auf eine etwas ältere Ente ein, tunken sie, jagen sie ans Ufer. Die Arme konnte kaum laufen, das rechte Bein war verdreht. Sie robbte in Panik auf dem Bauch und benutzte die Flügel als Stütze. Ein jämmerliches Bild. Die Ente liegt schlapp auf dem Boden, sieht aus, als würde sie sterben. Die Wand nähert sich in rasender Geschwindigkeit. Sie ist soooo schwarz!!! So mächtig und gewaltig!!! Schnell überlegen ein Badegast und ich, die Ente zu retten. Ich packe sie in mein Badehandtuch und klemme sie unter den Arm.

Keine Sekunde später… – GIGANTISCH!!!!!!! Wind peitscht, die großen Blechmülltonnen schießen wie Torpedos über das Gras, einige durch die Luft, wir rennen durch Regen, eigentlich einen Wasserfall, Richtung Parkplatz. Mein Begleiter duckt sich, ein schwerer Ast kracht direkt neben ihm auf den Boden. Man konnte nicht atmen, so gewaltig war der Sturm. Schwere, wassergetränkte Äste, die, wenn sie einen am Kopf treffen, tödlich enden können. Wir riefen uns zu: “Hier lang, hier entlang!”, während die Äste quer durch die Luft schossen. Aufpassen, dass man nicht getroffen wird! Man hörte nichts mehr, außer einen enormen Lärm. Das war der Sturm, das waren die peitschenden Baumkronen, die Mülltonnen, die gegen die Bänke polterten, die Wellen, ein einziges, gewaltiges Rauschen. Phantastisch. Weiße Schaumkronen zu leuchtend türkisfarbenem See. Am Unterstand gegenüber der Pommesbude gaben wir auf, stellten uns in Trockene und warteten (mit Ente unter’m Arm ;-) . Die fand das irgendwann richtig gemütlich und schlief im warmen Handtuch beinahe ein, Schmerzen schien sie keine zu haben).

2009-05-26-Unwetter-12

Quelle: Leserreporter Südkurier

Hagel, Sturm. Bäume werden vor unseren Augen entwurzelt. Das waren alte, riesige Bäume. “KKKKKKKKKKRRRRRRRRRRRK – RUUUUUUUUUUMMMMMMMMMMMMMS!!!!!!!!!” – haut es sie um. Donner, Blitz, Hagel, Sturm, die Leute schreien und kreischen. Mein Begleiter sagt: “Heute gibt es Tote”.

Als das Wetter nachließ, liefen wir Richtung Tierarzt. Es waren ungefähr drei Kilometer am Stadtrand. So kam ich nun doch noch zu meinem Sport: Statt Schwimmen eben Laufen.

Ein Bild, das ich nie vergessen werde. Totenstille und Verwüstung. Kein Vogel pfiff mehr. Nur noch das entfernte oder nahe Knarren der Bäume und Äste. Beinahe gespenstisch. Im falschen Film? Befand ich mich im Märchen? War ich unbemerkt gestorben und befand mich in einer anderen Welt? Eine Phantasy-Erzählung hätte das Bild nicht besser inszenieren können:

Quelle: Südkurier Lokalredaktion

Quelle: Südkurier Lokalredaktion

Mitten auf der Straße lag quer ein Riese, die Wurzel über mannshoch. Man konnte nicht einmal abschätzen, ob etwas oder jemand unter der Baumkrone lag, soviel Platz nahm sie ein, so dicht war sie. Wir kletterten über den Stamm und liefen weiter. Baum über Baum, Ast über Ast und alles grün, grün, grün. Ein Blätterteppich. Und immer wieder ein drohendes Knarren oder Knacken. Irgendwo im Wald, direkt über einem, manchmal weit entfernt.

Jeder Schritt war ein Risiko. Überall hingen schwere große Äste, die nur auf ihren Moment warteten, herunterzufallen. Geduckt rannten wir unter gebrochenen Kronen hindurch, teilweise liefen wir mitten auf der Straße, um nicht erschlagen zu werden.

Quelle: Leserreporter Südkurier

Quelle: Leserreporter Südkurier. (Der Orkan erreichte bis 156 km / h).

Der Tierarzt stellt fest: Die Ente hat nur eine Behinderung mit längst verheiltem, aber schief gewachsenem, Bein. Sie wird immer gehackt werden, das ist die Hackordnung in der Natur. Wir suchen ihr ein stilles Plätzchen am Ufer mit viel Schilf und Versteckmöglichkeiten. Sofort beginnt sie sich zu putzen. Wenn sie sterben muss, stirbt sie bei sich “zu Hause”, in der Natur.

Zurück zum Fahrrad gelaufen: Dieses Mal am Ufer entlang. Überall wieder Bäume, Bäume, Bäume. Einen Baum vor der Schmiederklinik hat es beinahe in die Patientenzimmer gehauen, er bedeckt mit seiner Krone die gesamte Grünfläche. Ein umgestürzter Riese. Ich bestaune ihn mit offenem Mund. Überall Feuerwehr, Sirenengeheul, THW und Polizei.

Und immer darauf achten, dass man nicht erschlagen wird, unter losen Ästen durchrennen, abschätzen, aufpassen.

Irgendwann erreiche ich mein Fahrrad. Da steht es ganz friedlich. Rings herum liegen schwere Äste, nur das Rad selbst wurde von keinem Blättchen berührt, als hätte es sich einfach eine kleine Insel gesucht, um auf mich zu warten.

Und es war blitze-blank. Vom Regen, vom Hagel. So radelte ich wieder nach Hause – und die kleine Ente fand das alles wahrscheinlich einfach nur cool, gemütlich und schön warm. ;-)

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