Mein wertvollstes Weihnachtsgeschenk…

22. Dezember 2009

…waren vor neunzehn Jahren die Worte meiner damals sterbenden Freundin: “Sei für jeden Tag, den du leben darfst, dankbar, egal, was passiert”. Am 10. Dezember 1990 besuchte ich sie ein letztes Mal und wir beide ahnten, dass es das letzte Mal war. Am 18. Dezember war sie tot. Das schönste Geschenk ihrer Mutter waren deren tränenerstickte Worte zu mir, als ich am Grab kondolierte: “Sie hat Sie so sehr geliebt”. Ich wurde geliebt und die Mutter der Verstorbenen sagte mir das. Also haben mir zwei Personen, Mutter und Tochter, ein großes Geschenk gemacht.

Das Weihnachtsfest damals war schwer. Schwerer, als ich vermutete, denn nach einer gewissen Zeit des Leidens glaubt man, dass mit dem Tod die Erleichterung kommt. Die kommt aber nicht. Da kommt Erschöpfung. Nach ihrer Beerdigung legte ich mich mit bleischweren Beinen auf mein Bett im Elternhaus und starrte die Wand an. Eine Stunde war ich zu nichts in der Lage. Kein Fühlen, kein Weinen, nur Starre und Schwere, während die Bilder der Beerdigung und gebrochener Eltern mich schwerst belasteten. Das Leben holte mich wieder, natürlich, denn da war ihr Leben, ihr Schicksal, und auf der anderen Seite mein eigenes Leben. Ich zog eine dicke Trennlinie zwischen meiner verstorbenen Freundin, ihrer Krankheit, unserer Krise deswegen, unserer Versöhnung, also all den Jahren zwischen Operation ihres Tumors bis hin zu ihrem Tod, und meinem eigenen Leben. Ich lebte mein eigenes Leben, in Anbetracht ihrer Worte wirklich dankbar für jeden Tag, den ich leben darf, das bis heute, und hinter der Trennlinie durfte sie jeden Tag ein wenig in meine Gedanken kommen.

Ich glaube, es gab seit ihrem Tod keinen Tag, an dem ich nicht an sie dachte. Das sind manchmal Sekunden, manchmal Minuten, am Anfang manchmal voller Trauer, dann häufiger mit schönen Erinnerungen, manchmal voller Wut und Trotz, manchmal voller Akzeptanz ihres Todes, manchmal aber auch mit der Frage nach dem “Warum”.

So lange ich lebe, lebt sie weiter. Keines ihrer Worte, das sie in unseren Gesprächen seit ihrer Erkrankung zu mir gesagt hatte, Worte über die Frage nach dem Sinn des Lebens und ihrer Krankheit, Worte der Verzweiflung, der Hoffnung, der Trauer, der Wut, Worte der Frage “was passiert mit mir, wenn ich tot bin?”, Worte der Liebe und der Freundschaft, habe ich je vergessen.

Weihnachten ist für mich seitdem nie wieder so richtig schön geworden. Aber das gehört dazu. Das sind die Spuren, die das Leben in uns hinterlässt und würde es sie nicht geben, wären wir ewig jung, faltenlos und naiv.


Herbst-Stürme

23. November 2009

Heute wirbelten die Blätter strudelartig über die Straßen. So richtig wie im Herbst. ;-)


Überstanden

23. November 2009

Das war ja nun eine der hartnäckigsten Erkältungen, die ich je hatte. Da wurde alles aufgefahren, was die Heilkunst zu bieten hat: Gelomyrtol forte, Infrarot-Kuren, Salzwasserspülungen und täglich drei Inhalationen. Am Schluss Antibiotika. Sechs Wochen nichts als Ärger mit Stirn- und Nebenhöhlen, zwischendurch noch ein grippaler Infekt. Fünf Kilo zugenommen. Zum Trotz begann ich wieder zu Rauchen, denn ich fühlte mich seit meinem Rauchstopp ziemlich gestraft mit all diesen Symptomen. Und natürlich – ich hätte es erwarten können – war das erneute Rauchen absoluter Mist und verschlimmerte die Sache noch mehr. Also höre ich mal wieder auf. Es geht mir einfach körperlich und seelisch viel besser, wenn ich nicht rauche. Und endlich fühle ich mich nicht mehr ganz so erkältet. Das Leben normalisiert sich wieder, Gott sei Dank.


Schwein gehabt

6. November 2009

Da läuft man durch die Stadt, gönnt sich einen kleinen Einkaufsbummel und denkt: “Wirklich phänomenal, wie der Körper sich selbst reinigt, wenn man mit dem Rauchen aufgehört hat”. An eine Form der Selbstreinigung dachte ich, weil ich urplötzlich zu schwitzen begann. Es waren keine Hitzewallungen, sondern beständiges Schwitzen. Das wurde immer stärker. Irgendwie komisch, ich fühlte mich eigentlich topfit an dem Tag. Nicht mehr lange…

Zu Hause angekommen, lag ich flach. Hals- und Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit und Magen-Darm-Krämpfe, Durchfall, Bronchial- und Nebenhöhleninfekt. Auffallend: Das extreme Schwitzen, nach wie vor. Nachts musste ich zweimal aufstehen und Bettwäsche lüften, ich selbst musste unter die Dusche, wechselte außerdem die komplett durchnässten Schlafanzüge gegen frische trockene aus. Während ich schlief, lief der Schweiß in Bächen über mein Gesicht. Auffallend war das alles deswegen, weil ich bei üblichen grippalen Infekten in kaum einer Weise erhöhte Temperatur habe, noch weniger schwitze. Bisher schwitzte ich auf ähnliche Weise nur einmal in meinem Leben, als ich vergammeltes Fleisch gegessen hatte und mir so eine Lebensmittelvergiftung zugelegt. Das ist zwei Jahrzehnte her.

Den Gedanken an die Schweinegrippe schob ich von mir. “Kaum möglich”, so dachte ich, “hatte ja bisher niemand in näherer Umgebung”. Nach drei Nächten Schwitzkur und bleischwerer Abgeschlagenheit las ich in der Tageszeitung, dass die Schweinegrippe im Ort angekommen sei. Weil ich mich jedoch körperlich noch relativ gut fühlte und meine Temperatur unter 38° Celsius blieb, glaubte ich auch dieses Mal nicht, dass ich betroffen sein könnte.

So schleppte ich mich eine Woche mehr oder weniger gut dahin, Inhalator, ätherische Salben, Schal und Taschentücher waren meine Begleiter. Ich schwitzte weiter. Beständig und stark, irgendwann belastend, denn ich musste aufpassen, mich nicht alleine durch das Schwitzen zu erkälten und mein Kreislauf spielte nicht mehr ordentlich mit, es traten zeitweise Schwindel und Übelkeit auf. Das wurde langsam auffällig. Was tun? Zum Arzt gehen lohnte kaum, selten gehe ich bei Erkältungen oder grippalen Infekten zum Arzt. Zudem sein Hinweis an der Eingangstüre: Bei Verdacht auf Schweinegrippe draußen stehen bleiben, klingeln und sich einen Mundschutz reichen lassen. Er möchte verständlicherweise alle Mitpatienten schützen. Dann weitere Hinweise in der Presse: Bei Verdacht auf Schweinegrippe am Besten zu Hause bleiben und den Kontakt mit Mitmenschen möglichst meiden. So entschied ich mich, zu Hause zu bleiben. Sollte ich die Schweinegrippe haben, dachte ich, dann möchte ich, so lange es mir noch ziemlich gut geht, keine Mitpatienten beim Hausarzt unnötig anstecken. Man stelle sich vor, ein schwer Kranker, der dort sitzen könnte, würde von mir angesteckt und sterbe deswegen. Außerdem wusste ich nicht so richtig, wie ich mit wackligen Knien zur Arztpraxis kommen sollte, hatte ein extremes Schlafbedürfnis und wollte nicht aus der Wohnung.

Dann weitere Meldungen: Die Schweinegrippe sei in Deutschland in neuer Welle auf dem Vormarsch. Also Anruf beim Gesundheitsamt und Symptome geschildert. Einschätzung des dortigen Arztes: Mit hoher Wahrscheinlichkeit Schweinegrippe. Dazu eine Anfrage, wo ungefähr ich mich überall aufgehalten habe. Ein Dank für meine Information und freundliche Genesungswünsche.

Gestern wieder der erste Appetit. Das Schwitzen klingt langsam aus.

Schwein gehabt. Aber angenehm ist dieser Infekt wirklich nicht, macht keinen Spaß und strengt den Körper an.


Karton packen

27. Oktober 2009

Das hier

ist ein bisschen wie das hier:

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“Der Lernerfolg ist, dass er auch mal sieht, dass ein Karton vernünftig gepackt werden muss [...]. Also Karton zu packen ist nicht so einfach”.