Ich war am Strand. Wollte gerade Baden gehen, als sich eine gigantische schwarze Wand am Himmel aufbaute. Keine paar Minuten hatten wir Zeit, unsere Sachen zu packen. Der See wurde hellgrün und leuchtete wie in einem Märchen, im Kontrast dazu dieser tiefschwarze Himmel,… – eigentlich ein schönes Bild, wäre da nicht die Eile beim Packen. Erstaunlich: Zwei mutige (lebensmüde?) junge Frauen begaben sich “eben noch schnell” ins Wasser. Wollten sie unbedingt vom Blitz erschlagen werden? Als wir ihnen zuriefen: “Raus da, raus da!!!” kamen sie zu uns. Na Gott sei Dank…Es wurde immer dunkler, der Himmel immer schwärzer, die Wand immer größer.

Quelle: Leserreporter Südkurier
In diesem Moment hacken vier Gang-Enten – eine Art “Jugendgäng”
– im Wasser auf eine etwas ältere Ente ein, tunken sie, jagen sie ans Ufer. Die Arme konnte kaum laufen, das rechte Bein war verdreht. Sie robbte in Panik auf dem Bauch und benutzte die Flügel als Stütze. Ein jämmerliches Bild. Die Ente liegt schlapp auf dem Boden, sieht aus, als würde sie sterben. Die Wand nähert sich in rasender Geschwindigkeit. Sie ist soooo schwarz!!! So mächtig und gewaltig!!! Schnell überlegen ein Badegast und ich, die Ente zu retten. Ich packe sie in mein Badehandtuch und klemme sie unter den Arm.
Keine Sekunde später… – GIGANTISCH!!!!!!! Wind peitscht, die großen Blechmülltonnen schießen wie Torpedos über das Gras, einige durch die Luft, wir rennen durch Regen, eigentlich einen Wasserfall, Richtung Parkplatz. Mein Begleiter duckt sich, ein schwerer Ast kracht direkt neben ihm auf den Boden. Man konnte nicht atmen, so gewaltig war der Sturm. Schwere, wassergetränkte Äste, die, wenn sie einen am Kopf treffen, tödlich enden können. Wir riefen uns zu: “Hier lang, hier entlang!”, während die Äste quer durch die Luft schossen. Aufpassen, dass man nicht getroffen wird! Man hörte nichts mehr, außer einen enormen Lärm. Das war der Sturm, das waren die peitschenden Baumkronen, die Mülltonnen, die gegen die Bänke polterten, die Wellen, ein einziges, gewaltiges Rauschen. Phantastisch. Weiße Schaumkronen zu leuchtend türkisfarbenem See. Am Unterstand gegenüber der Pommesbude gaben wir auf, stellten uns in Trockene und warteten (mit Ente unter’m Arm
. Die fand das irgendwann richtig gemütlich und schlief im warmen Handtuch beinahe ein, Schmerzen schien sie keine zu haben).

Quelle: Leserreporter Südkurier
Hagel, Sturm. Bäume werden vor unseren Augen entwurzelt. Das waren alte, riesige Bäume. “KKKKKKKKKKRRRRRRRRRRRK – RUUUUUUUUUUMMMMMMMMMMMMMS!!!!!!!!!” – haut es sie um. Donner, Blitz, Hagel, Sturm, die Leute schreien und kreischen. Mein Begleiter sagt: “Heute gibt es Tote”.
Als das Wetter nachließ, liefen wir Richtung Tierarzt. Es waren ungefähr drei Kilometer am Stadtrand. So kam ich nun doch noch zu meinem Sport: Statt Schwimmen eben Laufen.
Ein Bild, das ich nie vergessen werde. Totenstille und Verwüstung. Kein Vogel pfiff mehr. Nur noch das entfernte oder nahe Knarren der Bäume und Äste. Beinahe gespenstisch. Im falschen Film? Befand ich mich im Märchen? War ich unbemerkt gestorben und befand mich in einer anderen Welt? Eine Phantasy-Erzählung hätte das Bild nicht besser inszenieren können:

Quelle: Südkurier Lokalredaktion
Mitten auf der Straße lag quer ein Riese, die Wurzel über mannshoch. Man konnte nicht einmal abschätzen, ob etwas oder jemand unter der Baumkrone lag, soviel Platz nahm sie ein, so dicht war sie. Wir kletterten über den Stamm und liefen weiter. Baum über Baum, Ast über Ast und alles grün, grün, grün. Ein Blätterteppich. Und immer wieder ein drohendes Knarren oder Knacken. Irgendwo im Wald, direkt über einem, manchmal weit entfernt.
Jeder Schritt war ein Risiko. Überall hingen schwere große Äste, die nur auf ihren Moment warteten, herunterzufallen. Geduckt rannten wir unter gebrochenen Kronen hindurch, teilweise liefen wir mitten auf der Straße, um nicht erschlagen zu werden.

Quelle: Leserreporter Südkurier. (Der Orkan erreichte bis 156 km / h).
Der Tierarzt stellt fest: Die Ente hat nur eine Behinderung mit längst verheiltem, aber schief gewachsenem, Bein. Sie wird immer gehackt werden, das ist die Hackordnung in der Natur. Wir suchen ihr ein stilles Plätzchen am Ufer mit viel Schilf und Versteckmöglichkeiten. Sofort beginnt sie sich zu putzen. Wenn sie sterben muss, stirbt sie bei sich “zu Hause”, in der Natur.
Zurück zum Fahrrad gelaufen: Dieses Mal am Ufer entlang. Überall wieder Bäume, Bäume, Bäume. Einen Baum vor der Schmiederklinik hat es beinahe in die Patientenzimmer gehauen, er bedeckt mit seiner Krone die gesamte Grünfläche. Ein umgestürzter Riese. Ich bestaune ihn mit offenem Mund. Überall Feuerwehr, Sirenengeheul, THW und Polizei.
Und immer darauf achten, dass man nicht erschlagen wird, unter losen Ästen durchrennen, abschätzen, aufpassen.
Irgendwann erreiche ich mein Fahrrad. Da steht es ganz friedlich. Rings herum liegen schwere Äste, nur das Rad selbst wurde von keinem Blättchen berührt, als hätte es sich einfach eine kleine Insel gesucht, um auf mich zu warten.
Und es war blitze-blank. Vom Regen, vom Hagel. So radelte ich wieder nach Hause – und die kleine Ente fand das alles wahrscheinlich einfach nur cool, gemütlich und schön warm.