Ich mag Krähen. Sie sind süß, intelligent und hübsch: Pechschwarzes Federkleid mit kräftigem schwarzem Schnabel. Das reinste Werkzeug, wie Forscher feststellten. Sie benutzen kleine Stöckchen, um schwer zugängliche Gegenstände zu öffnen, als hätten sie den Schlüssel erfunden.
Und sie können spazierengehen. „Latschen“ sozusagen. Oder stolzieren. Sie werfen wie kleine Soldaten ihre Beine nach vorne und laufen „einfach mal so zur Abwechslung“ vor sich hin. Kürzlich lief eine in genau diesem Stil auf der Mauer vor dem Klassenzimmer unseres Englischkurses hin- und her. Wie ein kleiner Aufpasser. Kein Wachmann, sondern eine Wachkrähe. Zwischendurch blieb sie stehen und guckte mit geneigtem Kopf konzentriert in unser Klassenzimmer.
Oder sie hüpfen. *Boing – boing – boing – boing – boing*. Auch ein gutes Bild. Heute am See hüpften drei Krähen so vor sich hin. Ich aß meine berühmten „Pommes nach dem Schwimmen“ und überlegte mir, ob sie sich wohl freuen, wenn ich ihnen ein paar hinwerfe. Immerhin sind sie Allesfresser und Aasfresser. Überlebenskünstler, die beim Streik der Müllabfuhr überfüllte Müllcontainer plündern, wie ich vor Jahren einmal beobachtete. Also warf ich ein Pommesfrite in Richtung Dreiergespann. Die erste flog erschreckt auf, latschte (!) dann jedoch neugierig zum Geschenk. Die anderen hinterher. *Boing – boing – boing*. Die erste pickte das gelbe Stäbchen auf und hielt es im Schnabel. Die anderen beiden wollten ebenfalls eines haben und jagten sie. So warf ich zwei weitere Pommes.
Am Schluss hielten sie alle drei glücklich ihre Pommes im Schnabel und stolzierten damit umher. Der Bayer würde sagen „Mei, woar dös liab oanzuschaun!“. Dann flogen sie auf den nächsten Baum und futterten ihre kleinen Geschenke.
Ich wartete. Keine drei Minuten später saßen sie wieder am Ufer und guckten mich aus der Ferne an. „Ob da nochmal was kommt?“, stand in ihren Gesichtern geschrieben. Ich musste sie leider enttäuschen, wollte nicht, dass künftige Badegäste durch Krähen belästigt werden, zumal ich weiß, wie frech sie werden können, wenn sie erst einmal ihre Angst verloren haben.
Fasziniert war ich als Jugendliche von den Verwandten der Krähen. Der Tower beherbergt sechs eigene Kolkraben. (Eine Legende erzählt, dass der Tag, an dem die Raben diesen Ort verlassen, der Tag des Untergangs des Tower und englischen Königreiches sei. Deswegen werden ihnen die Flügel gestutzt – haha, guter Trick…wie einfallsreich). Es sind riesige Vögel, gegen deren Ausmaß, durchschnittlich sechzig Zentimeter Körperlänge und hundertzwanzig Zentimeter Flügelspannweite, eine Krähe wirkt wie ein Zwerg.
Verfasst von almenbaer
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