Drei Krähen am See

30. Juni 2008

Ich mag Krähen. Sie sind süß, intelligent und hübsch: Pechschwarzes Federkleid mit kräftigem schwarzem Schnabel. Das reinste Werkzeug, wie Forscher feststellten. Sie benutzen kleine Stöckchen, um schwer zugängliche Gegenstände zu öffnen, als hätten sie den Schlüssel erfunden.

Und sie können spazierengehen. „Latschen“ sozusagen. Oder stolzieren. Sie werfen wie kleine Soldaten ihre Beine nach vorne und laufen „einfach mal so zur Abwechslung“ vor sich hin. Kürzlich lief eine in genau diesem Stil auf der Mauer vor dem Klassenzimmer unseres Englischkurses hin- und her. Wie ein kleiner Aufpasser. Kein Wachmann, sondern eine Wachkrähe. Zwischendurch blieb sie stehen und guckte mit geneigtem Kopf konzentriert in unser Klassenzimmer.

Oder sie hüpfen. *Boing – boing – boing – boing – boing*. Auch ein gutes Bild. Heute am See hüpften drei Krähen so vor sich hin. Ich aß meine berühmten „Pommes nach dem Schwimmen“ und überlegte mir, ob sie sich wohl freuen, wenn ich ihnen ein paar hinwerfe. Immerhin sind sie Allesfresser und Aasfresser. Überlebenskünstler, die beim Streik der Müllabfuhr überfüllte Müllcontainer plündern, wie ich vor Jahren einmal beobachtete. Also warf ich ein Pommesfrite in Richtung Dreiergespann. Die erste flog erschreckt auf, latschte (!) dann jedoch neugierig zum Geschenk. Die anderen hinterher. *Boing – boing – boing*. Die erste pickte das gelbe Stäbchen auf und hielt es im Schnabel. Die anderen beiden wollten ebenfalls eines haben und jagten sie. So warf ich zwei weitere Pommes.

Am Schluss hielten sie alle drei glücklich ihre Pommes im Schnabel und stolzierten damit umher. Der Bayer würde sagen „Mei, woar dös liab oanzuschaun!“. Dann flogen sie auf den nächsten Baum und futterten ihre kleinen Geschenke.

Ich wartete. Keine drei Minuten später saßen sie wieder am Ufer und guckten mich aus der Ferne an. „Ob da nochmal was kommt?“, stand in ihren Gesichtern geschrieben. Ich musste sie leider enttäuschen, wollte nicht, dass künftige Badegäste durch Krähen belästigt werden, zumal ich weiß, wie frech sie werden können, wenn sie erst einmal ihre Angst verloren haben.

Fasziniert war ich als Jugendliche von den Verwandten der Krähen. Der Tower beherbergt sechs eigene Kolkraben. (Eine Legende erzählt, dass der Tag, an dem die Raben diesen Ort verlassen, der Tag des Untergangs des Tower und englischen Königreiches sei. Deswegen werden ihnen die Flügel gestutzt – haha, guter Trick…wie einfallsreich). Es sind riesige Vögel, gegen deren Ausmaß, durchschnittlich sechzig Zentimeter Körperlänge und hundertzwanzig Zentimeter Flügelspannweite, eine Krähe wirkt wie ein Zwerg.


España es el campeón de Europa

29. Juni 2008

!Enhorabuena! :-)


Das Sprachgedächtnis…

29. Juni 2008

…ist ein Phänomen. Je mehr Sprachen man lernt, desto schneller sitzt die jeweils neueste. Natürlich werden die Vokabeln durcheinander geworfen. Das geschieht aber nur im Falle, dass man den berühmten „Hebel“ im Gehirn noch nicht umgeschaltet hat und sich noch nicht „in“ der jeweiligen Sprache befindet, somit nur im ersten Moment des Umschaltens auf eine andere Sprache.

Meine Nichte wuchs dreisprachig auf. Sie lernte deutsch, polnisch und ukrainisch. Schulisch bedeutete es, dass sie ihre Englisch- und Französischvokabeln mehr oder weniger nur einmal ansehen musste, schon saßen sie. Das Gehirn ist kein Speicher oder „Hohlraum“, der gefüllt wird und irgendwann voll ist, sondern ein lebendes System, das im Training neue Nervenzellen und vor allem wichtige Verknüpfungen zwischen diesen entwickelt. Faszinierend.

Nachdem ich mich gestern mit den Downloadproblemen des neuen Firefox-Browser herumschlagen musste, gelang es mir, einen Vokabeltrainer herunterzuladen. Gerne frische ich meine Spanischkenntnisse wieder auf. Es belebt mich, wenn ich diese Sprache lerne. Ich staune über die vielen Parallelen zum Romanischen und Germanischen, was sowohl Grammatik als auch Vokabular betrifft. Kaum eine grammatikalische Form, die nicht entweder im Deutschen, im Französischen, im Italienischen oder aber im Englischen zu finden ist. Kaum ein Wort, das nicht aus dem Germanischen oder Romanischen abzuleiten ist. Einige Wörter dagegen sind ganz speziell, hier wäre es interessant, deren Ursprung zu erforschen.


Lustig

27. Juni 2008

Nach neuester Blog-Statistik verirren sich immer mehr spanische Fußballfans auf meine Seite. Freut mich. Obwohl Spanien von europäischen Einwanderern überschwemmt wurde, pflege ich noch heute den Kontakt einer dorthin ausgewanderten Schweizerin. Mit großem Mut eröffneten sie und ihr Mann schon vor fast zwanzig Jahren dort eine eigene Pension. Erschreckt war sie zu Beginn über die Härte der Spanier, die verständlicherweise Angst vor ausländischer Konkurrenz hatten und den „Neuen“ zusetzten, wo sie nur konnten: Betrügerische Handwerker, abweisende Versicherungen, alles Mögliche mussten sie einstecken. Nachdem ihre Pension in eigener Handarbeit gebaut und eröffnet war, empfingen sie die ersten Gäste. Der Betrieb läuft bis heute nicht schlecht. Allerdings erzählte sie, dass bereits nach einem Jahr die Sehnsucht nach saftigen grünen Schweizer Wiesen und Wäldern aufkam. So macht sie heute – wen wundert es? – Urlaub in der Schweiz.

Eine weitere Freundin von mir kehrte kürzlich nach Deutschland zurück. Auch ihr wurde der Staub in Andalusien zuviel. Und meine langjährige Kindheitsfreundin, heute Goldschmiedemeisterin in Kalifornien, lacht nur über die immer wieder lodernden Brände rund um San Diego. Sie wohnt zentral. Bis jetzt hatte sie Glück und wurde noch nicht vom Feuer getroffen. Ihr Mann, ehemals arbeitsloser Flugbauingenieur, hat nach langen Jahren der Arbeitsuche und des Vertriebs spezieller Goldschmiede-Lasergeräte wieder einen Arbeitsplatz im Flugzeugbau gefunden. Dessen Freund, ebenfalls Flugbauingenieur, lebte vorübergehend Garten der beiden. Nach dessen Arbeitsplatzverlust und, wie in Amerika üblich, fehlender Arbeitslosenversicherung, besaß er nur noch seine Kleider und ein Zelt. Um überhaupt duschen, das bedeutet, sich als Mensch fühlen zu können, benötigte er den Garten und freien Zugang zum Haus seiner Freunde. Nur aufgrund dieser Unterstützung hatte er die Chance, bei Vorstellungsgesprächen gepflegt und positiv aufzutreten.

Es gibt weder den amerikanischen noch den spanischen Traum. Soviel ist sicher. Alle meine ausgewanderten Freunde arbeiten hart und lebten phasenweise am Rande des Existenzminimums. Meine kürzlich nach Deutschland zurückgekehrte Freundin kann ihre Bücher auch in Deutschland verfassen, wie sie erzählt. Mit nur einem Unterschied: Sie kann hier ihre Staublunge kurieren.


Manche Witze…

26. Juni 2008

…sind einfach genial. Doy la bienvenida a los visitantes españoles. La caricatura se dice „?No quieres limpiar las ventanas?“.