Endlich regnet es

3. Juli 2008

Endlich wieder Regen und Abkühlung. Bei aufgerissener Balkontüre und laufendem Ventilator versuche ich zur Sekunde, die 29° Celsius aus meiner Wohnung zu bekommen.  Trotz Verdunkelung heizt sie sich in sommerlichen Schönwetterperioden alljährlich auf. Zwar liebe ich die wunderschönen Badetage am See, jedoch ist irgendwann der Punkt erreicht, wo das Schwimmen im See zum „Muss“ wird, weil es anders kaum auszhalten ist. Echte Abkühlung liefert sowieso nur noch die eiskalte Grundwasserdusche des Ufers. Der See ist meines Erachtens lauwarm.

Aufgrund meines kürzlich verfassten Artikels über meinen ganzen Stolz, den neuen Neoprenanzug, schaute ich interessehalber einmal nach Schmelzwasserseen und war begeistert, welche Naturschönheiten sowohl Schweiz als auch Österreich für uns bereithalten. Hier der Traum eines Schmelzwassersees, der zwar Privatbesitz ist (man glaubt es kaum und erblasst vor Neid), jedoch gegen Gebühr auch Badegästen und Hobbytauchern zugänglich:

Er besteht aus geschmolzenem Schnee. Je nach Niederschlagmenge des vorhergehenden Winters entsteht dieser grüne See auf einer Wiese. „Mein“ Schmelzwassersee, in welchem ich versehentlich einmal badete, wird durch eine unterirdische Quelle gespeist, die sich auch „Abfluss“ nennen könnte. Das Schmelzwasser der Gipfel bahnt sich seinen Weg unter den Bergen hindurch und mündet in diesem See:

Deutlich ist der Zufluss von links zu erkennen. Es war ein wenig riskant, in diesen See zu steigen, insbesondere, weil es sich um einen heißen Augusttag handelte. Weil ich wusste, dass man weder erhitzt noch mit vollem Magen in einen See springen sollte, lief ich langsam hinein. Wie bereits erwähnt wusste ich nicht, dass er nur 10° Celsius hatte, bemerkte die Kälte auch nicht sonderlich. Ich fand ihn nach gelungener Wanderung nur herrlich erfrischend. Mein Fehler bestand darin, irgendwann in schnellen Schwimmzügen loszuschwimmen. Dazu, wie ich es gewohnt bin, mit dem Kopf unter der Wasseroberfläche. Innerhalb weniger Minuten, ungefähr als ich mich in der Mitte des Sees befand, war mein Organismus derart geschockt, dass ich nicht mehr ausatmen konnte. Nicht mehr einatmen zu können, ist schlimm genug. Nicht mehr ausatmen zu können, ist der Anfang vom Ende. Instinktiv drehte ich mich auf den Rücken. Ich weiß nicht, was es auslöste, eventuell die Wärme der Sonne auf dem Brustkorb, oder aber die Rückenlage, die das Zwerchfell entlastete, jedoch konnte ich umgehend wieder ausatmen, somit auch ein- und anschließend weiteratmen.

Mit langsamen Zügen schwamm ich zurück ans Ufer. Seit diesem Tag weiß ich: Kalte Gewässer nicht nur langsam begehen, sondern auch langsam – und vor allem ohne den Kopf unter Wasser zu halten – „beschwimmen“.