Das Experiment

9. August 2008

Nachdem mein Hausarzt mir einmal empfohlen hatte, probeweise die L-Thyroxin-Dosis von 100 auf 75 zu verringern, weil meine TSH-Werte sich ein wenig im Grenzbereich befanden, lehnte ich damals noch ab, fühlte mich ja beschwerdefrei und wollte abwarten. Zudem befürchtete ich Leistungsknick und Müdigkeit. Das ist ungefähr ein halbes Jahr her. Nun begannen vor wenigen Wochen die typischen Erscheinungen der Überdosierung: Herzschlag etwas flott, innere Unruhe und geringfügiges Händezittern. So dachte ich, dass ich doch gleich einmal auf 50 herunter könne. Das Experiment schlug natürlich fehl. Nach zwei Wochen wieder das bekannte dumpfe Gefühl, „Watte im Kopf“ hatte ich es vor der Diagnosestellung genannt. Träge wie eine alte Frau radelte ich zum Wasser, antriebslos wie ein Karpfen schwamm ich meine Runden. Wie ich einmal mit einem TSH-Wert von 13 mU/l lebte, währenddessen noch eine Umschulung absolvierte, ist mir ein Rätsel, wobei meine damaligen regelrechten Gähnkrämpfe während des Unterrichts als Desinteresse fehlinterpretiert wurden. Ich kann nur schätzen, dass der Wert jetzt während meines Experiments auf höchstens 6 mU/l, vielleicht 7 mU/l, angestiegen war. Kaum erhöhte ich die Dosis wieder auf 100, besserten sich die Symptome bis zur vollständigen Genesung.