Nie wieder kalt baden. Meine Experimentierfreude ist vorbei. Das soll gesund sein? Nachdem ich Sonntag und Montag in Nordsee-Temperaturen badete, hinterher bei kaltem Wind am Ufer schlotterte, überkam mich eine unbeschreibliche Ganzkörper-Trägheit. Jeder Muskel schmerzte, der Kopf ebenso. Natürlich ist es erträglich, befindet man sich erst im Wasser. Der Körper gewöhnt sich, man spielt mit der Brandung. Stolz wie ein Wikinger begibt man sich zurück an den Strand. Man hatte den inneren Schweinehund überwunden, der Kälte getrotzt, den Kreislauf trainiert. Nie wieder Schnupfen!
Von wegen. Nein, man bekam keinen Schnupfen. Zumindest nicht in der Nase. Aber der „Muskel-Schnupfen“. Man wusste bis dahin nicht einmal, dass er existiert, einen im wahrsten Sinne des Wortes eiskalt erwischen kann – und zwar erst am Morgen danach. Bleischwere, Gelenksteife, Muskelschmerz und Erschöpfung. Es war mir eine Lehre: Ich bin keine Ente, kein Eisbär, kein Fischotter, kein anderweitiges Tier, das sich gerne in kalte Gewässer begibt. Ich bin ein Mensch und werde es nie wieder freiwillig ertragen, so sehr Japaner, Russen, Chinesen, Finnen, Schweden und Norweger das auch befürworten und ritualisieren.