Eine aufgeräumte Suchmaschine. Macht das Sinn? Schwärmte mir doch kürzlich ein Kollege vor: „Hier, nur 1.200 Suchergebnisse. Reicht doch!“.
Reicht eben nicht. Ab nur drei Suchbegriffen versagt „Bing“ in meinen Augen kläglich. Beispiel: Mein eigener Blog. Klar, ich bin sauer, dass er in Bings Index nicht erscheint, Gründe hierfür sind bekannt: Bings Hilfsfunktion entschuldigt, dass bei täglicher Bearbeitung von Billionen Seiten des World-Wide-Web einige Seiten ab und zu nicht im Index erscheinen, dann wieder auftauchen, dann wieder verschwinden. (Hä?).
Aber abgesehen davon: Betrachten wir nun das Beispiel eines Artikels meines Blogs. Da fragte ich mich kürzlich, ob Spinnen die Flugbahn von Insekten berechnen. Die Frage mag blöde erscheinen, ich persönlich meinte sie auch eher scherzhaft. Nun angenommen, irgendjemand auf dieser Welt möchte tatsächlich wissen, ob Spinnennetze und Flugbahn von Insekten einen Zusammenhang aufweisen. „Googelt“ er mit den drei Suchbegriffen „Spinnen Netze Flugbahn“, findet er über eintausend Ergebnisse, unter denen er sich einige aussuchen kann, die seine Frage beantworten. „Bingt“ er dagegen mit diesen drei Suchbegriffen, findet er klägliche sechzehn Ergebnisse, unter denen sich kein einziges befindet, das seine Frage auch nur ansatzweise beantworten könnte.
Macht es Sinn, eine Suchmaschine aufzuräumen? Fakt ist: Je mehr eine Suchmaschine ausspuckt, um so mehr freie Wahl dessen, was ich lesen möchte, habe ich. Je bedachter die Suchbegriffe, und vor allem ihre Kombination, gewählt werden, um so geringer ist die Anzahl der Ergebnisse und um so genauer sind sie auf meine spezifische Suche zugeschnitten.
Derzeit ist es „in“, über Google zu jammern: „Die vielen Suchergebnisse! Da hat man ja keinen Überblick mehr! Es muss mal eine neue Suchmaschine her!“, und so weiter. Ich kann mich diesem Trend nicht anschließen. Wer meckert, dass eine Suchmaschine „zu viele Ergebnisse“ ausspuckt, a) hat die verfeinerte und zielgenaue Internetrecherche nie gelernt, b) hat nicht verstanden, dass das „Aufräumen“ von Suchmaschinen schlimmstenfalls den Beginn einer Zensur darstellt und c) ähnelt dem Kommentator und Komponisten Antonio Salieri, welcher im einstigen Kino-Hit „Amadeus“ beklagt, dass Mozarts Werke „zu viele Noten“ beinhalten.
Verfasst von almenbaer