Rosskur

Es war die reinste Rosskur. Am dritten Oktober rauchte ich meine letzte Zigarette. Meine Bronchien streikten, das Rauchen machte keinen Spaß mehr. Ich bevorzuge frei zu atmen anstatt zu ersticken.

Am vierten Oktober, pünktlich nach Rauchstopp, verstopfte meine Nase und begann ein recht trockener Husten, wie bei so vielen Rauchern, die mit dem Rauchen aufhören und über diesen Zustand erst einmal schwer enttäuscht sind.

Also Rosskur: Täglich zwei bis drei Mal inhalieren (einen Inhalator bekommt man günstig in jeder Apotheke, so dass man nicht den Kopf über heiße Töpfe und unter dicke Handtücher stecken muss), nachts Wollschal aus echter Schafwolle. Meine Mutter hatte uns lange Schals gestrickt, als wir Kinder waren, der Schal ist somit dreiunddreißig Jahre alt. :-)

Und das Wichtigste: Durchhalten. Natürlich ist es verlockend, an die gute Zeit vor dem Rauchstopp zu denken, wo Nase und Bronchien (scheinbar) frei waren, und natürlich ist es verlockend, genau deswegen wieder mit dem Rauchen anzufangen. Nur dieses Mal wollte ich genau diesen Fehler nicht mehr machen und diesem Trugschluss, inklusive meiner Sucht, die einen so dummen Gedanken nur als Vorwand nutzt, nicht mehr erliegen.

Es lohnt sich. Tag für Tag besserten sich Schritt für Schritt die Symptome. Es war eine Frage der Geduld und des gesunden Menschenverstandes: Durch solche Reaktionen zeigt einem der Körper doch nur, was man ihm über Jahre angetan hat. Und wird man ungeduldig, fragt sich, ob Schnupfen und Husten denn nie enden wollen, dann hält man einfach durch und erklärt sich selbst, dass es sicher keine Lösung ist, den armen kranken Nasen-Nebenhöhlen und Bronchien wieder irgendwelche Staub-Partikel zuzuführen.

Der Entzug war recht einfach: Erstens kann man nicht rauchen und möchte es auch nicht, wenn man nicht mehr ordentlich atmen kann. Kein einziger Zug kam für mich mehr in Frage. Ich brauchte zunächst nur fünf Nikotin-Kaugummis der leichten Dosis (2 mg) pro Tag, jetzt sind es nur noch zwei. Ich hatte eine Woche lang Heißhunger auf Schokolade, Chips und Erdnuss-Flips. In der zweiten Woche normalisierte sich der Hunger auf den Stand vor dem Rauchstopp: Vollkornbrote, Wurst, Milchprodukte und Gemüse. Ich nahm somit nur zwei Kilogramm zu und das war’s dann auch.

Mein Körper reagierte zunächst nachts nur mit vermehrtem Schwitzen. Das ist längst vorbei, geblieben ist eine wohlige Wärme und um viele Grade schönere Haut aufgrund besserer Durchblutung. Tja. Und das leichte Taubheitsgefühl, das ich manchmal in einer Zehe verspürte, ist komplett verschwunden. Ich konnte nicht glauben, dass das am Rauchen liegt, weil ich ja so viel gar nie geraucht hatte. Nun wurde ich eines Besseren belehrt.

Bronchitis (deutlich verheilt), Schnupfen (ebenso) und Taubheitsgefühl (verschwunden) sind mein persönlicher Beweis, dass Rauchen tödlich ist. Sie sind meine aus tiefster innerer Überzeugung entstandene Motivation, nie wieder auch nur einen einzigen Zug aus einer Zigarette oder anderweitiger Tabakware zu tun, um nie wieder dieser Sucht zu erliegen, denn ich habe keine Lust zu ersticken und keine Lust auf Raucherbeine oder -zehen. Natürlich, manchmal ist es schwer. Es gibt immer mal wieder Momente, wo die Sucht einen überfällt, wo der Gedanke an eine Zigarette erscheint und man feststellt: Hups – ich habe ja gar keine mehr. Die dauern jedoch nur wenige Sekunden und stelle ich mir bildlich vor, wie ich Ruß- und Staubpartikel einatme, somit meinen Körper langsam vernichte, vergeht die Lust auf eine Zigarette schneller, als sie gekommen war.

Im Übrigen: Die karzinogene Wirkung von Zigaretten ist unumstritten. Viel eher betont werden sollte jedoch die chronisch obstruktive Bronchitis, auch genannt COPD, „chronic obstructive pulmonary disease“. Die meisten Raucher tun das, was nur logische Folge des Jahrzehnte andauernden Inhalierens von Staub, Teer und anderweitigen Giftstoffen ist: Sie ersticken.

Eine Antwort schreiben